Warum eigentlich Gedankenflöhe?

Jeder kennt das: Man sitzt im Zug alleine und hört Musik, man sitzt bei der Arbeit oder in der Schule und schaut in den Himmel aus dem Fenster, man ist mit Freunden im Auto unterwegs und zwischendurch gibt es immer wieder die Minuten der Stille und man sieht auf die Straßen, wie die Laternen an einem vorbeisausen.
In diesen Momenten und in noch ganz vielen mehr lasse ich meine Gedanken kreisen. Sie Hut, Stock und Gesangbuch schnappen und auf Wanderschaft gehen. Dabei kann der Weg ganz unterschiedlich sein. Er kann echt sein, ein realler Weg den man im Leben gegangen ist und den man das ein oder andere Mal wieder abgeht. Mal bereut man die Wahl des Weges, mal ist man froh, sich für diesen Weg entschieden zu haben. Es kann aber auch genauso gut eine Reise in eine Ferne Zukunft sein. Da wo alles gut wird. Den am Ende wird ja bekanntlich alles gut. Wünsche und Träume werden wahr, so sagt es zumindest jedes Kindermärchen.
Was aber letzendlich das beste an diesen Gedanken ist, dass sie wie ein kleiner Floh von einem Weg zum anderen hüpfen. Wahllos so scheint es manchmal sich Dinge, Ereignisse und Vergangenheit oder Zukunft rauspickt.
Wenn ich also im Zug sitze und nach draußen auf die Welt blicke und still darauf warte an meinem Ziel anzukommen, ist der kleine Floh bereits in meinem Kopf unterwegs und bewegt sich durch meine Gedankenwelt.
Mein Blog beschäftigt sich mit diesen Flöhen. Gedanken, die mir immer wieder in den Sinn kommen, die mich beschäftigen oder auch einfach mal Dinge, die gesagt werden müssten.
Dabei müsst Ihr nicht immer meiner Meinung sein, wenn Ihr versucht meinen Gedankengängen zu folgen. Bildet euch selber Gedankenflöhe zu meinen Themen, lasst meine Gedanken in eure Gedanken und diese Flöhe für euch auf Reise gehen. Denn das ist das schöne in dieser kleinen Welt in unserem Kopf, wir können machen was wir wollen.
Jetzt viel Spaß beim Lesen und wer einen Rechtschreibfehler findet, darf ihn behalten.

Mittwoch, 17. September 2014

Teil 8: Mach mich nicht verliebt

Hallihallo Ihr Lieben,

heute gibts mal wieder einen neuen Teil von meiner Kurzgeschichte.
Ich hoffe ihr freut euch, hab diesmal sehr viel Zeit ins Schreiben investiert.. Was soviel heißt wie ich hatte keine guten Ideen und war lahmarschig :D Aber ich habs ja geschafft ;) Vielleicht geht der nächste Teil ja leichter von der Tastatur.
Bin nächste Woche nicht da, bin von der Firma aus auf einer Fortbildung. Deswegen gibts nächste Woche nix neues auf meinem Blog. ABER:
Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder keine Frage ;)

Eure Saphirblau



Simon schaute uns erst verwirrt, dann wütend an.
Scheiße, war das einzige Wort, was mir im Moment einfiel und das war nicht gut, wenn man jetzt eigentlich eine Erklärung parat haben sollte.
„Warum sitzt ihr hier? Schon aufgegeben?“, hakte Simon weiter nach. Seine Augen wurden klein wie Schlitze.
„Nein, Alter, hör zu…“ begann David zu erklären.
„Ich bin mit dem Fuß umgeknickt.“, unterbrach ich ihn schnell. Sein Blick schnellte herum und er sah mich etwas überrascht an. Ich wartete auf seine Reaktion - ob er mich verbessern wollte – doch das tat er nicht, also sprach ich mutig weiter.
„Wir sind so schnell ins Feld gelaufen und da bin ich in einen Hasenbau gestolpert und hab mir den Fuß verdreht. Tut echt scheiße weh.“ Na das erste Wort kann doch hilfreich sein.
Um meine Worte zu untermauern rieb ich mir den linken Knöchel.
David und ich warteten auf Simons Reaktion. Er schien noch zu überlegen.
„Ihr verarscht mich doch nicht?“, hakte er weiter nach, dabei lallte er schon etwas.
„Nein, ich war so betrunken, ich vertrage ja kaum Alkohol und dann bin ich einfach hingefallen und schwups ein großes Aua.“, versuchte ich nun ebenfalls lallend zu erwidern.
„Na gut. Dieses eine Mal Winterberg, möchte ich dir glauben, weil du aussiehst als hättest du echt Schmerzen.“ Wow. Ich sollte besser mal schauen, ob die Tränen in Kombination mit meiner Schminke mich zu einem Streifenhörnchen verwandelt haben.
„David, warum bist du hier? Du kannst dich nicht drücken!“ Dieses Mal schien er es ernst zu meinen und ich verabschiedete mich in Gedanken schon von David.
„Simon, jetzt tu mal nicht so auf Oberwichtig. Denk an die Maisfeldsuche letztes Jahr im Sommer, da hab ich dich auch nicht verpfiffen.“ David wirkte böse.
Simon rieb sich übers Gesicht. „Man Alter, das war eine Ausnahme und das weißt du auch.“
David schaute ihn weiter böse an. Simon stöhnte auf.
„Ohh, na gut. Aber damit sind wir Quitt.“
David nickte. „Alles klar.“
„Bleibt aber hier und seid gefälligst leise. David du weißt, wie schnell Drückeberger entstehen.“
Mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand wieder in der Dunkelheit. Auf seinem Rücken hing immer noch die Pandamaske und ich schaute ihr nach, bis sie nicht mehr zu erkennen war.
„Respekt, Frau Winterberg. Ich bin schwer beeindruckt.“, sagte er anerkennend.
„Danke für die Blumen, ich bin halt ne tolle Lügnerin.“, grinste ich breit.
„Nein, du bist eine furchtbare Lügnerin, aber das war ein guter Einfall. Simon hat dir nur geglaubt, weil er blau ist.“ David grinste jetzt ebenfalls.
„Das stimmt nicht. Ich kann gut lügen.“ Ich zog einen Schmollmund.
Er lehnte sich ein Stück zu mir rüber, sodass ich seinen Atem spüren konnte und sein Grinsen wurde breiter.
„Mach dir nichts vor, ich kenne dich. Du lügst miserabel.“ Ich schluckte und wendete den Blick ab.
„Du glaubst bloß mich zu kennen. Das ist ein Unterschied.“ Ich sah ihn wieder an und er rückte wieder ab.
„Was war vorhin eigentlich mit dir los?“, fragte er nun vorsichtiger.
„Was meinst du?“
„Als du mich so angefahren hast vorm Haus von Herrn Hoffmann standen.“
„Ach so, das.“
„Ja, das. Also was war los“
„Gar nichts. Du hast mich bloß genervt.“, sagte ich gereizt und etwas schroff.
„Wie gesagt, du lügst miserabel.  Hatte es was mit Lena zu tun? DU hattest so einen komischen Blick im Auto.“
„Sag mal stalkst du mich? Ich hab keinen Blick, ich gucke immer so, das ist mein Gesicht und ich war genervt, weil du mir auf die Eierstöcke gingst.“, sagte ich nun wütend.
„Was soll sie ganze Fragerei?“, legte ich noch nach.
David sagte nichts und schaute mich einen Moment lang an. So als, ob er testen wollte, ob ich lüge. Also blieb ich ganz cool und starrte ihn ebenfalls an.
„Ich glaub dir nicht“ Test also nicht bestanden.
„Dann lass es halt.“, sagte ich jetzt ruhiger, aber immer noch genervt.

Eine lange Pause entstand.

Ich schaute zum Sternenhimmel und sah ein paar einzelne Sterne sich auf dem Nachthimmel beim Mond durchkämpfen.
„Woher kennst du eigentlich Fiona?“, fragte er nun. Er wollte das Thema wechseln. Das konnte er gut. Das und mich aufheitern.
„Wir waren damals zusammen im Tanzkurs Modern Jazz. Sie ging leider auf die andere Schule, weil sie einen Ort weiter wohnte. Schade eigentlich, wir haben uns immer super verstanden.“
„Sie geht jetzt auf unsere Schule. Hat letztes Jahr gewechselt.“
„Cool. Ein Mädel das mich mag.“, grinste ich nun breit.
„Und was ist mit Hanna?“, fragte er lächelnd.
„Na ok, die mag mich vielleicht auch.“, sagte ich schulterzuckend und schaute grinsend an den Nachthimmel.
„Und mit mir?“ Ich schaute ihn an, dann fing ich an zu lachen.
„Nun hör mal auf, ich brauch keine Therapiestunde im Selbstvertrauen. Ja, du magst mich bestimmt auch, aber ich brauch jetzt keine Aufzählungen von Leuten, die mich mögen.“, lachte ich.
„Wow, ich mag dich nicht, du hast anscheinend ein überdurchschnittlich hohes Selbstvertrauen.“, scherzte er und ich haute ihn wie vorhin gegen die Schulter.
Wir blieben noch eine Weile sitzen und David beantwortete mir Fragen über Leute aus unserer alten Klasse und was aus Ihnen in der Zwischenzeit geworden ist, manches ist geblieben wie beim alten, anderes überraschte mich nicht. Es ist irgendwie merkwürdig, wenn man so zurückblickt, weil man dann erst merkt, dass schon so viel Zeit vergangen ist und wie viel ich eigentlich aus Davids Leben verpasst hab.
Ich zitterte und schaute auf mein Handy, das mir auf dem leuchtendem Display, die Uhrzeit verriet: 23:37 Uhr.
Puuh. Ich fragte mich, wie lange das Spiel wohl noch ging. Ich zitterte wieder. Der Stein unter meinem Hintern wurde immer kühler. Mein Vater hätte bereits gemeckert, dass ich mir eine Blasenentzündung holen werde.
„Ist dir kalt?“, fragte David, als ich wieder zitterte.
„Geht schon.“
„Komm, wir setzen uns ins Auto. Die müssten eh bald fertig sein. Dann geht’s aufs Dach.“
Ich stand mit ihm auf und wollte ihm hinterher gehen auf die andere Seite des Autos, als er sich umdrehte. „Du setzt dich nicht hinter mich. Das ist doch albern. Lena kann auch mal hinten sitzen.“
Ich blieb stehen wie vor den Kopf geschlagen und nickte bloß und ging dann zur Beifahrertür.
Im Auto lauschten wir ein bisschen Musik und redeten über Casper. Seine Texte und seine Live- Auftritte. Mir fiel nach einiger Zeit auf, dass ich mit David echt über alles und echt lange quatschen kann.
„Das ist ein bisschen wie früher.“, holte mich David aus meinen Gedanken.
„Was?“, fragte ich und schaute ihn an, doch er schaute auf die Straße.
„Na, das. Wir beide. Das quatschen und rumalbern.“
Ich lächelte. „Ja ein bisschen schon, ist doch cool.“ Er nickte bloß.


Eine halbe Stunde saßen wir noch im Auto und ich bekam endlich meine Körperwärme zurück. David schwört darauf, dass ich fast blau angelaufen wäre, aber das war natürlich total absurd, als eine Tröte ertönte und alle aus dem Maisfeld gelaufen kamen. Mit der riesigen Flasche Sekt und einem Fass Bier im Gepäck. Das andere hatte Simon anscheinend aus seinem Versteck befreit.
Nach kurzer Zeit kamen Hanna und Steven lachend angelaufen und Hanna setzte sich hinter mich.
Lachend legte sie ihre kalten Hände auf meine Schultern.
„Naa, alles gut bei dir? Es war echt lustig und total gruselig.“, sagte sie strahlend. Ich dreht mich nach links zu ihr um sie ansehen zu können. Ihre Pupillen waren größer als normal und daran erkannte ich, dass ihr wohl das ein oder andere Mal noch das Wort Was rausgerutscht war.
„Ja, alles wieder gut.“, sagte ich noch grinsend, weil sie so betrunken irgendwie putzig aussah.
 Als die Beifahrertür aufging und ich mich zur anderen Seite drehte, sah ich Lena vor mir stehen.
Ich machte Anstalten meinen Sicherheitsgurt zu lösen, um auszusteigen, doch David legte eine Hand auf meine Hand, um mich davon abzuhalten.
„Lena, wir sind schon alle groß, setz dich doch einfach hinter mich.“, sagte David lächelnd.
„Vom Hinten sitzen wird mir schlecht.“ Sie machte einen herzzerreißenden Schmollmund.
„David, ist schon ok. Ich kann ruhig hinten sitzen.“, sagte ich lächelnd.
Er sah mich einen Moment an.
„Dann kann ich auch mit Hanna quatschen.“, setzte ich hinzu.
Er ließ meine Hand los und seufzte. „Na schön.“
In Windeseile hab ich mich abgeschnallt und rutschte vom Sitz. Lena schenkte mir noch einen giftigen Blick und dann huschte ich schnell neben Hanna auf die Rückbank.


Das Dach war nachts irgendwie noch cooler. Lichterketten waren rundum verteilt und erhellten die Party Location. Müll war immer noch da in Hülle und Fülle. Aber zwei Sofas wurden vor einen Tisch geschoben auf der eine Shisha stand. Zwei lange Biertische standen an der rechten Seiten auf denen jede Menge Becher, Chipstüten und jede Menge Alkoholflaschen standen. Alles sehr ordentlich.
Mamma Mia war der Vater von Simon ein Scheich? Oder einer von der Wall Street? Wenn die sowas alle 1 bis 2 Monate auffahren, will ich nicht wissen, was da an Kohle für drauf geht.
Wir setzen uns in eine alte Sofasitzgruppe auf der anderen Seite des Daches und Hanna ging los, um etwas zu trinken zu besorgen. Steven wollte ihr helfen, doch sie wollte mal eine Runde schmeißen. Das ginge hier prima, wenn alles umsonst wäre. Steven lehnte sich daraufhin lächelnd zurück und zündete sich eine Zigarette an.
„Du rauchst?“, fragte ich desinteressiert. Ich war kein Freund von Rauchern, obwohl es mir im Grunde egal war. Solange sie nur Ihre Lunge schädigen und nicht meine, war das ok.
„Ja, leider. Scheiß Sucht. Mit 16 aus Fun mal angefangen und dann leider nie richtig aufgehört.“, erzählte Steven ruhig und zog einmal kräftig an der Zigarette, sodass das Ende rot aufglimmte.
David nahm seinen Becher mit frischgezapften Bier (Die hatten sogar eine Zapfanlage hochgetragen, langsam wundert mich hier nichts mehr.) und schaute zu den Leuten, die sich um die Tische mit dem Futter drängelten. Lena saß neben ihm und hielt seine Hand ganz vertraut. Ich sah wieder zu Steven.
„Lass mich mal dran ziehen.“, rutschten mir die Worte heraus, ohne dass ich sie aufhalten konnte.
David spuckte eine Mundladung voll Bier auf den kleinen IKEA Tisch vor uns.
„Was?“, fragte David und schaute mich entsetzt an.
Lena schaute ihn verwirrt an. Sie wusste nicht, was David wusste. Ich habe Raucher gehasst. Mein Vater war früher einer. Aber ich habe ihn so lange genervt damit aufzuhören, dass er es irgendwann gemacht hat und natürlich wegen Mamas Unfall damals.
Ich zuckte mit den Schultern. David wusste auch nicht, was ich wusste. Von meiner Liste.
Ja ich hatte eine Liste. Dinge, die ich tun möchte, bevor ich 30 werde. Darauf standen Sachen wie Schlittschuh laufen und Lernen ein Rad zu schlagen. Aber auch Dinge wie sich piercen lassen oder einmal im Leben rauchen. Jaa, ich weiß so fängt jede Sucht an, aber ich habe gute Gründe es nie ernsthaft zu wiederholen, nur einmal herausfinden, was mein Vater daran so toll fand.
„Nur mal ausprobieren.“, sagte ich locker, obwohl ich etwas aufgeregt war.
„Du und rauchen? Bist du sicher?“, David sah mich ganz entsetzt an.
„David, lass sie doch, sie ist alt genug und nicht betrunken, also whatever.“, sagte Steven und hielt mir seine Zigarette hin, die ich zögerlich griff.
„Genau David, ich hab schon einen Papa und den hab ich nicht ohne Grund zu Hause gelassen.“, grinste ich. Die anderen lachten. David grinste, lehnte sich zurück und schüttelte den Kopf.
„Na gut. Mach. Ich will sehen, wie du dir sie Lunge aus dem Hals hustest.“
Ich sah auf die mittlerweile kurze Zigarette in meiner Hand und schluckte einen Kloß herunter.
Wie war das nochmal?
Mut ist nur ein Anagramm von Glück?
Also riskiere ich mal was. Ich nahm die Zigarette zwischen meine Lippen und zog dran. Zwei Sekunden pustete ich es wieder aus. Es passierte gar nichts. Kein Halsweh, kein Husten, kein Kotzkrampf. Alles gut. Außer dass es grauenhaft schmeckt. Ich zog die Stirn in Falten.
„Du paffst nur Schätzchen. Du musst es einatmen, wenn du es im Mund hast.“, beantwortete Lena meine unausgesprochene Frage.
Also zog ich nochmal dran. Und als ich den Rauch im Mund hatte, atmete ich einmal tief ein, nur um mit einem großen Hustenanfall wieder auszuatmen. Alle fingen an zu lachen.
Als ich wieder Luft bekam, lachte ich mit. Das war wohl das Standardverhalten beim ersten Zug.
„Boa, ist das abartig. Viel Vergnügen damit.“ Ich reichte Steven seine Zigarette zurück.
Er griff nach ihr lachend, zog noch ein letztes Mal dran, bevor er sie im Aschenbecher ausdrückte.
Hanna kam zurück und brachte allen einen Becher mit.
 „Hab ich was verpasst?“, fragte sie neugierig, als sie in unsere amüsierten Gesichter sah.
„Nur die ersten kleinen Schritte in eine neue, teure und scheußliche Angewohnheit.“, beantwortete Steven ihre Frage grinsend.
„Dann hab ich wirklich was verpasst.“, sagte Hanna empört und stellte vor jeden einen Becher ab.
„Hanna.“, sagte ich leicht entnervt, als ich den Becher mit der durchsichtigen Flüssigkeit begutachtete.
„Jaja, ich weiß. Aber du wirst es probieren. Es schmeckt richtig lecker. Wenn du es dann nicht magst, trink ich deinen Becher für dich mit aus.“, sagte Hanna streng.
„Was ist das?“, fragte ich seufzend.
„Wodka- Feige mit Sprite und hier hast du auch noch einen Feigling für dein Lieblingswort.“, grinste sie leicht angeschickter, stellte einen Feigling vor mir ab und setzte sich zwischen Steven und mir.
Ich stöhnte. Na toll. Gut ich werde aufpassen mit meinem Lieblingswort, nicht zu viel trinken und bei jeder Gelegenheit etwas übers Dach kippen. Kein Problem ich krieg das schon hin.
„Trink aus.“, sagte Hanna grinsend.
„Das ist nicht fair.“, schmollte ich.
 „Weißt du wie viele ich schon trinken musste, bis ich meine Lektion gelernt habe?“
„Ja, ich habe da so eine Ahnung:“, murmelte ich mürrisch.
Sie grinste. „Ne ne, ich lass mich nicht nochmal verarschen. Sprich lauter oder es ist mir egal. Ich werde dich nicht zu einer Wiederholung auffordern.“, sie grinste stolz.
„So viele Worte für so ein kleines, betrunkenes Mädchen.“, grinste Steven und piekte sie in die Seite.
Sie lachte laut und schlug patschend mit den Armen nach ihm.
Ich schüttelte lächelnd den Kopf, dann trank ich die kleine Flasche aus und sah zu David, der grinsend Steven und Hanna beim Albern zusah.
Er würde bestimmt ein bisschen auf mich aufpassen, so wie immer.

Mittwoch, 10. September 2014

Von strengen Müttern und braven Freunden

Hallihallo Ihr Lieben,

naa ihr fragt euch bestimmt, warum ich momentan immer so spät dran bin mit posten.
Das hat einen gaanz einfachen Grund: Ich habe ein neues Hobby.
Ich tanze seit circa einem Monat jeden Dienstag Zumba. Und es macht unglaublich Spaß. Ich fühle mich wacher und aktiver. Ich fühle mich lebendiger. Mir hat die Bewegung das letzte halbe Jahr gefehlt und ich werde hoffe bald auch dadurch ein bisschen fit.
Das soll jetzt keine Werbung für Zumba sein, sondern für ein bisschen Sport oder auch eine kleine Veränderung.
So genug von meinem neuen Hobby und hin zu einem lustigen alten Text, den ich mal wieder ausgegraben habe...(Ich habe es leider nicht geschafft an der Kurzgeschichte weiterzuarbeiten.)
Also ein bisschen zur Geschichte, wie der kommende Text entstanden ist: Eine meiner Freundinnen hatte ein Date mit einem Kerl, den sie schon gerne mochte. Sie wollten zusammen ins Kino gehen. Da sie aber bald umziehen wollte, wollten sie nur Freunde bleiben und das haben sie auch geschafft. Ein Wunder wie ich finde :D Jedenfalls habe ich als zweite Mutter ganz nüchtern ein paar Verhaltensregeln aufgestellt, damit das mit dem Freunde bleiben auch klappt. Hinterher hat sie sich tot gelacht über meinen kleinen Codex, weshalb ich ihn euch nicht vorenthalten möchte:

Falls ich euch erlauben sollte zusammen ins Kino zu gehen, gilt folgender Verhaltenscode:
1) kein Knutschen
2) kein Fummeln
3) kein Händchenhalten, auch nicht aus Versehen!
4) kein langer Blickkontakt
5) keine Kerzen
6) kein Speichelaustausch
7) kein Labelloroulette
8) kein Kartensaugen
9) kein nach Hause bringen und zur Tür bringen
10) keine Kuschelrock CD im Auto
11) keine Liebesbriefe
12) kein "Ohh, du siehst so hübsch aus."
13) es wird kein Lieblingsoutfit getragen
14) kein gemeinsamer Popcorneimer
15) kein gemeinsamer Colabecher (Sprite, Fanta, Wasser, Apfelschorle oder andere Sprudelgetränke)
16) kein "Du hast da ein Haar" und dann wird im Gesicht rumgegrabbelt
17) kein "Lass mal stecken, ich bezahl für dich."
18) kein gemeinsamer Toilettengang
19) keine heimlichen Streicheleinheiten
20) kein spazieren gehen nach 19:30 Uhr
21) keine persönlicher Geheimnisaustausch
22) keinen roten Lippenstift
23) keine schwarze Unterwäsche (jeder weiß, was das signalisiert)
24) kein gemeinsames Musik hören mit nur ein paar Ohrstöpseln
25) kein Massieren (auch nicht, wenn jemand "gaaanz verspannt ist")
26) kein ins Ohr flüstern
27) kein Tür aufhalten (vor allem nicht die Autotür!)
28) keine Kuschelbank im Kino
29) keine Geschenke
30) und um 21 Uhr bist du wieder in deinem Zimmer!

Naa? Gelacht? Meine Freundin hat mich irgendwie nicht richtig ernst genommen... Eine Schande...
Habt ein paar schöne Septembertage, ehe ihr euch verseht steht der Oktober mit seinen goldenen Blättern vor der Tür.

Eure Saphirblau

Mittwoch, 3. September 2014

Open Flair 2014

Hallihallo ihr Lieben,

ihr kennt bestimmt alle diese super schönen RTL Samstagsabend Shows "Die 25"
Die 25 skurrilsten Menschen der Welt, Die 25 emotionalsten Geschichten der Welt,
Die 25 sieben Weltwunder...
  (kleiner Scherz :D)
Also sowas wollte ich jetzt für meine Zeit und Erlebnisse aufm Open Flair Festival auch mal machen. Die 25 schönsten, verrücktesten, skurrilsten und lustigsten Momente 2014.

TOP 25: Der Regenfall am Sonntag gegen 18 Uhr, der ganz klar Regenschauern im Regenwald Konkurrenz machen kann. Die Menschen dachten die Welt geht unter und wir alle werden ertrinken.
TOP 24: Durch den großen Sturm waren wir leider gezwungen wurden unseren Pavi am 10.08.2014 zu beerdigen. Möge er in Frieden aus dem Grüncamp entsorgt worden sein.
TOP 23: Auch unser Zelt war leider etwas angeknackst und komplett durchnässt. Man hätte auch durchaus nach dem Regen dort schwimmen können, also alles ab ins Auto und dann ins Hotel. Es waren schließlich noch heftigere Unwetter für die Nacht angesagt worden. Regen ja ok. Blitz und Donner und dann im Zelt schlafen? Nicht wenn das Festival eh so gut wie vorbei war.
TOP 22: Es gab nur Dixi- Toiletten. Das war ein wahres Trauma. Wir waren wie gesagt auf dem Greencamp und da benehmen sich die meisten ja noch halbwegs. Ich will nicht wissen, wie die anderen Toiletten aussahen, aber Dixi- Toiletten!! Ein wahrer Horror. Man lernt sein Klopapier und sein Desinfektionsmittel in solchen Zeiten seehr lieben, aber jeder weiß es und trotzdem tut man es ab und zu mal, was jedes Mal ein Fehler ist: Man schaut ins Loch.
TOP 21: Die Zeiten der Mülldeponie waren sch....limm. Um nicht zu sagen, zu kurz, zu früh und insgesamt war die Organisation da sehr bescheiden und dreckig. Man musste auf eine Trittleiter steigen, um die Säcke in die Container zu werfen. Man bekam bei der Trittleiter jedoch Angst mit in den Container zu fallen... gruselig.
TOP 20: Zwei Kerle hatten am Samstag eine sehr interessante Idee: Sie haben sich splitterfasernackt ausgezogen und sich mit Frischhaltefolie eingewickelt. Jaa, das war auch mein erster Gedanke. Aber nein, sie hatten auf ihre Kronjuwelen noch ein X mit Panzertape geklebt, wodurch noch eine gewisse Art von "Jugendschutz" gegeben war. Dennoch hätte ich meiner Freundin einen Euro gegeben, wenn sie rübergegangen wäre und gesagt hätte: "Naa? Ein Foto für die Kollegen und Freunde am Montag?!"
TOP 19: Flunky Ball zu dritt. Eine Premiere, doch es ging erstaunlich gut und war insgesamt sehr lustig :)
TOP 18: Es gab halb über dem Camp von uns eine Brücke von einer Bundesstraße, die in den Ort mündet. An einem schönen sonnigen Nachmittag haben wir einen kleinen Spaziergang dorthin unternommen. Von dort hatte man eine wahnsinnig schöne Aussicht. Es war echt richtig cool!
TOP 17: Dadurch das wir quasi neben der Straße unter der Brücke wohnten :D haben sich morgens immer LKW- Fahrer den Spaß gemacht zu hupen. Laut und mehrmals. Um 6 Uhr morgen. Es ist kein Spaß, wenn man dadurch wach wird, sondern nervt einfach ziemlich.
TOP 16: Für die Duschen musste man dort 2 Euro zahlen. Was ziemlich teuer ist für ein bisschen duschen, aber dennoch bezahlt man, denn 5 Tage ohne duschen? Ohne mich! Das Gute dagegen war, dass nicht alle so dachten und wir nie Schlange stehen mussten und immer warmes Wasser hatten, schön :)
TOP 15: Ganz klar, niemals zu vergessen ist unser Essen, weil wir echt immer ziemlich gut essen aufm Festival. Zum Frühstück Toast, Cornflakes und Spiegeleier und zum Mittag hatten wir 1. Nudeln, 2. Kartoffelpuffer mit Apfelmus, 3. klassisches Grillen mit Pute, Bratwurst und Baguette 4. Hotdogs, das beste ever :) 5. Ravioli (jaa auch das muss mal sein :D)
TOP 14: Ein Betrunkener hatte sich an einem Abend einfach mal für ein paar Stunden zu uns gesellt. Ein netter Bursche und das ist das schöne, dass man immer wieder neue Leute trifft.
TOP 13: Es gibt insgesamt 3 verschiedene Bühnen, die an verschiedenen Plätzen sind, das ist zwar jedes Mal ein weiter Marsch, aber man kriegt keinen Soundtrack von anderen Bühnen mit und kann sich besser auf die Künstler konzentrieren, die man sehen möchte.
TOP 12: Auch auf diesen Festival waren wieder Künstler in merkwürdigen Kostümen, als Roboter oder Drachen verkleidet und ein Mann auf einem 3 m hohem Einrad lieferte jeden Nachmittag eine kleine Show für die Gäste des Festivals.
TOP 11: Ganz klar das Wetter. Jaa der letzte Tag war eine reine Flutkatastrophe, aber die restlichen vier Tage war es heiß und sonnig und man bekam ein bisschen das Urlaubsgefühl, weil man echt in kurzen Hosen und Top herumlaufen konnte, als das Wetter war im Großen und Ganzen TOP :)
TOP 10: Haltet euch fest. Es gab Hunde? und Kinder? auf dem Festival. Also richtige Kinder, nicht diese 16- jährigen Mädels, die mit gefälschten Erziehungsaufträgen reinkamen. neeein. Kinder! 10, vielleicht 8 Jahre. Ich meine Hallo? Warum nimmt man kleine Kinder mit dahin? Und Hunde? Wir waren echt ratlos, was die mit denen gemacht haben, wenn sie zu Bands wollten. Den auf dem Festivalgelände waren diese wieder verboten.
TOP 9: Jaa, jetzt müssten wir auch mal ganz klar an die Bands denken: Madsen, Seeed, Casper, Maxim, Jimmy Eat World, Keule, Tonbandgerät und SDP waren einige der Band, die wir gesehen haben und sie waren alle sehr gut. Definitiv ein dickes Plus für das Line- Up.
TOP 8: Bei Tonbandgerät standen wir in der ersten Reihe und ich hatte ein Schild auf dem Stand Wann kommt euer 2. Album? Der Ole hat auch drauf reagiert und uns geantwortet, dass er uns nichts genaues sagen kann, wir bei Facebook, wenn es soweit ist, Infos bekommen, aber das wir da ca. Anfang nächsten Jahres damit rechnen können. Kurz traurig. 2015 ist noch ein bisschen hin, aber dann gab es ein neues Lied, was ich noch nicht kannte: Mauern aus Beton! Und das ist guut. Ich kann es genauso wie Ozean wärmstens empfehlen :)
TOP 7: Seeed war ja einer der Top- Acts des Abends und um fit für den Auftritt zu werden, hab ich die Lyrics von Schüttel deinen Speck gelernt. Gar nicht so einfach, wenn man unkonzentriert an die Sache rangeht. Denn ich hab die ersten drei Zeilen immer nie richtig verstanden. Rechtzeitig war ich aber Textsicher und konnte beim Auftritt voll mitsingen: 
   MAMA! Zeig mir dein Gepäck!
   BABY! Komm, schüttel Bug und Heck!
   PERLE! Dein Tisch ist gut gedeckt,
   Schüttel deinen Speck, ah, schüttel deinen Speck, ah

TOP 6: Eine für mich neue Band hat mich auch neu begeistert: Keule. Sie sind witzig, sie sind ehrlich und fett! Ja genau ;)
TOP 5: Auch Maxim war sehr gut. Ich hab ihm zum ersten Mal live gesehen und er ist sehr schüchtern hatte ich das Gefühl, aber auf eine liebenswerte Art. Seine Stimme ist live auch genauso gut wie auf CD und er hat ein paar alte Lieder gespielt, wo ich mir zu Hause gleich wieder die Lyrics anschauen musste. Er schafft es irgendwie immer wieder durch seine Texte mich lange in den Bann zu ziehen. Gedankenflöhe vorprogrammiert ;)
TOP 4: Die Halbe Stadt feiert an diesem Wochenende mit. Gezwungenermaßen, denn der Weg zu den Hauptbühnen hr3 und Freibühne führen einmal durch die Stadt, was für die Bewohner ein echter Horrror sein muss. Also entweder man feiert an diesen Tagen mit oder man wandert aus. Normaler Alltag ist gar nicht möglich. Vor allem, weil die Polizei viele Straßen gesperrt hat.
TOP 3: Als wir nachts vom Festivalgelände zurück zum Camp wollten standen drei Kerle neben dem Eingang und plötzlich war eine Schlange vor einem. Eine Art Blindschleiche, die sich ihren Weg quer über den Weg suchte. Wir Mädels schrien und rannten und waren außer Rand und Band. Ich bin wahrlich kein Freund von Schlange. Ein wahrer Horror also für mich, doch dann merkten wir schnell: Die drei Jungs haben uns verarscht und die Schlange war zwar täuschend echt, aber auch Plastik und wurde elektronisch über den Weg manövriert. Wir haben dann auch gelacht :)
TOP 2: Das Gelände, also Hessen :D war wirklich schön. Richtiges Bergland und super schöne Kulisse mit großen Bergen. Bei der Hinfahrt mit Auto ist uns schon aufgefallen, wie schön die ganze Gegend ist und das Berge einen gewissen Reiz haben ;) 
TOP 1: Ganz klar die Gespräche mit den Mädels. Das z
Zusammensitzen in den Campingstühlen, die Witze, einzelne Situationen, die Atmosphäre, Flunky Ball... Einfach das man irgendwie als kleine Gruppe eine schöne Zeit genießt. Das ist jedes Mal wieder schön :)

Soo, das waren sie meine TOP 25. Ich gehe jetzt schlafen und träume weiter von Sommer, Sonne, Sonnenschein und wünsche euch allen eine schöne Woche mit vielleicht Urlaub/ Sommerferien.
Je nachdem, wo ihr wohnt :D

Eure Saphirblau

Montag, 25. August 2014

Teil 7: Labyrinth



Hallihallo Ihr Lieben,

soo heute gibt es mal wieder einen kurzen Teil von meiner Kurzgeschichte.
Viel Vergnügen. Ich arbeite noch an den Anekdoten vom Festival und dann natürlich auch an Teil 8.
Genießt den August, auch wenn es regnet, denkt immer daran andere Leute, wie ICH, müssen täglich arbeiten. Da ist es schon schöner, ein paar Tage die Füße hochzulegen.

Eure Saphirblau


Ich saß im Auto und sah die Lichter der Stadt an mir vorbeisausen. Ich ignorierte so gut es ging alles, was im Auto vor sich ging, was ziemlich einfach war, da das bisschen Alkohol, was ich zu mir genommen hatte bereits ein wenig seiner Wirkung zeigte. Ich saß da sah die kleinen Sterne und die hellen Lampen an, fühlte mich wie in Watte gewickelt und ignorierte das Gespräch von Steven und Lena, die Hanna und mir etwas über die letzten Partys berichteten. Lena strich dabei ab- und zu liebevoll über Davids Arm, wenn er gerade schaltete und der Alkohol drehte sich dann in der Magengrube. Ich hätte heute mehr essen sollen, als nur ein paar Pfannkuchen.
„Das hört sich cool an oder Danny?“, fragte Hanna und drehte sich zu mir.
Ich drehte mich schnell zu ihr um, da ich nicht wollte, dass sie denkt, dass etwas nicht mit mir stimmte.
„Tut mir leid, ich hab nicht richtig zugehört.“, gestand ich dennoch kleinlaut.
„Steven fragte gerade, ob wir Lust hätten morgen Abend mit zum bowlen zu gehen?“, sie sah mich nickend an und gab mir damit ein Zeichen, dass ich auch kommen sollte.
„Wer kommt denn sonst so?“, sagte ich beiläufig. Und schaute nach vorne zu David, der mir ebenfalls durch den Rückspiegel einen Blick zuwarf. Ich wendete schnell wieder meinen Blick zu Steven, der mir antwortete.
„So die üblichen Verdächtigen: Simon, Sarah, Lena, David, ich, Tamara, wenn sie nett ist.“
Ich atmete tief ein. „Klar, warum nicht.“ Sagte ich und nickte zustimmend.
Plötzlich hielten wir an und David stieg aus. Lena folgte ihm zügig.
Ich schaute wieder aus dem Fenster und erkannte nichts. Es dämmerte bereits und ich fragte mich, wo wir waren, als ich ausstieg erkannte ich es und mein Herz rutschte mir in die Hose.
Ein Maisfeld.
Nein.
Ich sah im Hintergrund die restliche Meute, die sich nun vor dem Maisfeld versammelt hatte. Ich ahnte es, das war schlimmer als der Alkohol. Viel schlimmer.
Die anderen gingen langsam Richtung Menge und ich schlich hinter ihnen her. Meine Beine bewegten sich nur widerwillig.
Scheiße verdammt, warum muss mein Leben auch so kaputt sein?
Nicht mal einen Abend kann ich richtig genießen ohne in meine Albträume zurückgeworfen zu werden.
Simon stand da, während der Rest der Menge sich hinsetzte. Ich setzte mich hinter Steven und Hanna und plötzlich setzte sich David neben mich, doch ich ignorierte ihn einfach.
Ich hatte gerade echt genug andere Sorgen.
„Okay Leute, weiter geht’s. Wir spielen mal wieder: Wo ist es? In diesem Maisfeld sind eine 5 Liter Flasche Sekt und 2 Fässer Bier versteckt. Ihr habt jetzt die ehrenvolle Aufgabe durchs Maisfeld zu schleichen und diese Sachen zu finden. Aber keine Sorge, dieses Mal gibt es ein Limit. Nach zwei Stunden müsst ihr die Sachen haben, dann geht’s weiter zur End- Party aufs Dach. Nochmal die ganze Nacht lasse ich euch nicht nach dem Kram suchen.“ Er lachte.
„Falls einer nicht mitmacht, bekommt er eine Strafe oder muss gehen, so sind die Regeln. Ansonsten viel Glück und habt Spaß!!“, grölte er durch die Menge, die jubelnd aufsprang und im Maisfeld verschwand. Ich legte meinen Kopf auf die Knie. Das kann doch alles nicht wahr sein.
In meinem Kopf wurde alles lauter und ich hörte Hanna und David fragen, ob wir losgehen wollten und ob es mir gut ginge, doch ich konnte nicht antworten. Plötzlich wusste ich, was ich tun musste. Ich musste hier weg und zwar schnell. Keine Sekunde länger konnte ich hierbleiben.
Ich sprang auf und ging schnellen Schrittes davon. Hinter mir hörte ich Stimmen, doch ich ignorierte alles. Ich wusste, dass ich mich kindisch benahm, aber das war mir im Moment egal.
„Daniela!“ Jemand packte mich am Arm und drehte mich schnell herum. Es war David, der mich etwas verwirrt anschaute. Hinter ihm kam Hanna hinterher. Steven und Lena standen weiter hinten und ich sah Lena auf Steven einreden, der kurz etwas erwiderte.
„Was ist los?“, fragte Hanna mich, die anscheinend schon wieder die Was- Regel vergessen hatte.
„Ich kann da nicht reingehen, okay. Ich kann euch nicht erklären wieso, es ist einfach so. Und jetzt werde ich gehen, denn so sind ja anscheinend die Regeln.“
Ich wollte mich losreißen, doch David ließ mich nicht los. Mir wurde heiß und ich schaute wieder auf das Maisfeld. Ich spürte mein Herzschlag bis zum Hals.
„Hey, nein. Ganz ruhig. Du brauchst da nicht rein, aber bitte bleib hier. Wir setzen uns ins Auto oder auf die Straße. Niemand wird dich zwingen da reinzukommen. Das mit der Strafe kriege ich schon organisiert.“, sagte David und sah mich an. Ich sah ihn an und atmete ein paarmal durch und dann nickte ich.
Welche Wahl hatte ich? Nach Hause laufen war eh eine Schnapsidee. Ich wusste kaum, wo wir waren.
„Okay.“, sagte Hanna langsam. „Ich kann bei dir hierbleiben.“ Sie lächelte.
„Nein, ich bleib hier, falls Simon mal raus kommt, kannst du ihm kaum überreden, dass ich die Strafe übernehme.“ Hanna runzelte die Stirn und nickte nur, dann schaute sie zu mir.
„Okay, na gut, dann pack ich mir mal Lena und Steven und wir legen besser mal los, bevor wir zu viel Aufsehen hier erregen was?!“, sagte Hanna an David gerichtet.
„Ja, danke Hanna. Das wäre super. Nimm Lena mit und sag ihr das alles gut ist und wir später nachkommen. Lass dich von ihr nicht abwimmeln, sag ihr ruhig, dass ich das gesagt habe. Ich werde ihr alles später erklären. Sie ist eh schon leicht betrunken.“ Er kratzte sich am Hinterkopf.
„Alles klar, pass bloß gut auf Danny auf, ja? Kein Blödsinn!“, sie drohte ihm mit dem Finger und er nickte bloß.
Während der ganzen Konversation stand ich nur da und dachte mit pochendem Kopf an diesen einen furchtbaren Abend im Maisfeld nach.
Dann war Hanna weg und ich sah nur noch kurz wie sie mit Lena und Steven redete, da zog mich David schon Richtung Auto. Doch anstatt mich dort reinzusetzen zog er mich auf den Boden und wir lehnten uns gegen den Autoreifen und schauten nun auf ein abgemähtes Getreidefeld. Nicht wirklich beruhigender, aber besser als das Maisfeld, das weckt böse Erinnerungen.

Eine lange Unendlichkeit sagten wir nichts und starrten nur in die Dunkelheit.
„Hast du Durst? Ich hab noch Wasser im Auto.“, sagte David leise.
Ich schüttelte den Kopf, doch weil ich nicht wusste, ob er das im Dunkeln sah, räusperte ich mich.
„Nein danke.“
„Weißt du es ist komisch, dass man kaum Sterne sieht, wenn der Vollmond so hell scheint.“, brach er die Stille endgültig.
„Das ist wie in einer Großstadt. Die Lichter vertreiben die Sterne der Nacht.“, sagte ich leise.
„Ja, ich weiß, dass hast du damals auch mal gesagt, als wir auf dem Strohballen uns die Sterne angesehen hast.“
„Das weiß ich gar nicht mehr.“
„Doch. Das war der Tag an dem mein Vater ausgezogen ist.“
Ich sagte erst nichts, doch dann wurde ich plötzlich mutig.
„Sei mir nicht böse, aber ich mochte deinen Vater nie besonders. So wie er deine Mutter und dich behandelt hatte, war er mir immer unsympathisch gewesen.“
Er lachte. „Ich weiß. Er hat dich auch nie gemocht, das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit.“
Ich lächelte nur und seufzte einmal leise. Wunderte mich jetzt nicht wirklich.
„Darf ich dich was fragen?“
„War das nicht schon ne Frage?“ Ich lächelte.
„Ich meine noch etwas. Etwas Persönliches.“
„Ja.“, sagte ich ohne zu zögern.
„Warum hast du so eine große Angst vor Maisfeldern, Danny.“
Ich sah ihn an und dachte lange darüber nach, was ich sagen sollte. Ich kam von Lügen über Verweigern bis hin zu der Wahrheit. Ich kenne David jetzt schon mein halbes Leben mit Unterbrechungen. Wenn ich nicht mit ihm drüber reden kann, dann mit niemanden.
„Ich hab dir doch erzählt, dass ich mit meiner Mutter in einer Klinik war.“ Ich machte eine Pause. Er sagte nichts, doch griff leicht nach meiner kalten Hand, die auf der Straße lag und nahm sie zwischen seine, um sie etwas aufzuwärmen.
„Eines Abends ist sie aus dem Fenster abgehauen. In ein Maisfeld gelaufen und dann war sie weg. Ich sah nur noch wie sie langsam im Feld verschwand. Ich sprang hinterher und lief ihr nach. Im Dunkeln im Maisfeld. Ich war Stunden da drin und hab sie gesucht… doch ich hab sie nie gefunden.“
Wieder entstand eine Pause und ich atmete aus. Es tat gut, mal mit jemanden darüber zu reden.
„Weißt du warum sie abgehauen ist?“, fragte David leise.
„Nein… Ja… Ich weiß nicht genau… Ich hab sie nie wieder gesehen. Ich hab was ziemlich Dummes gesagt und danach ist sie angetrunken abgehauen.“ Tränen rollten mir über das Gesicht, doch ich brachte kein Ton heraus. Stilles Weinen war das einzige was ich noch konnte.
„Warte mal. Nie wieder gesehen? Was ist mit ihr..“
„Verschwunden.“, unterbrach ich ihn, bevor er Vermutungen anstellte, „Sie gilt offiziell als vermisst.“
„Doch das glaubst du nicht?“ Er kannte mich einfach schon zu lange.
„Nein.“ Ich atmete tief ein. „Als ich das Ende des Maisfeldes erreichte, war auf der anderen Seite ein Moorgebiet. Ich glaube, sie hat in ihrem Zustand nicht gewusst, wo sie da durchging.“ Weitere Tränen rollten mir übers Gesicht.
„Und jetzt machst du dir Vorwürfe.“ Das war keine Frage, sondern eine Feststellung.
„Ich habe das Gefühl, dass ich sie hätte retten müssen. Ich war nur ein Raum weiter. Ich hätte wissen müssen, wie labil sie ist. Ich hätte auf sie aufpassen müssen. Sie war doch meine Mutter. Sie war doch auch immer für mich dagewesen.“ Ich schniefte kurz, doch dann war ich still.
„Nein, so darfst du nicht denken. Du warst 17? Du warst eindeutig noch zu jung, um so viel Verantwortung mit dir rumzutragen. Es war nicht deine Schuld, sondern ihre Entscheidung. Und wenn du mich fragst, glaube ich nicht, dass sie nicht mehr da ist.“
„Wie meinst du das?“ Ich runzelte die Stirn.
„Time out.“ Er drehte sich zu mir und machte ein T mit seinen Händen.
Ich lachte kurz auf, weil er bei seiner Geste so ein affigen Gesichtsaudruck machte.
„Vielleicht brauchte sie einfach mal eine Pause.“
„Eine Pause wovon?“, fragte ich und kannte die Antwort eigentlich schon.
„Vom Leben.“ Beantwortete er meine Frage dennoch.
Ich schniefte die letzten Tränen weg.
„Einmal hat sie zu mir gesagt, dass sie es hasst, Gefühle zu haben. Gefühle können etwas sehr Schönes sein, aber Gefühle können dich auch von Innen kaputt machen.“
Ich schaute ihn an, um zu schauen, ob er verstand was ich sagte. Er schaute mir direkt in die Augen.
Sekunden. Minuten. Ich wandte den Blick wieder auf das Getreidefeld mit den Sternen am Horizont.
Ja, Gefühle können einen auch von Innen zerstören.
„Ja, ich glaube, ich verstehe was deine Mutter dabei gefühlt hat.“
„Also“ sagte ich in einem fröhlicheren Ton, weil ich nun endgültig das Thema wechseln sollte.
Ich winkelte mein Bein an und setzte mich darauf, damit mein Hintern nicht am Asphalt festfriert.
„Also?“ fragte David, während ich meine Sitzposition änderte.
„Was ist meine Strafe?“, sagte ich während ich meine Jeansjacke etwas enger zog.
„Keine, solange du dem angetrunkenen Simon nichts sagt.“ David grinste.
„Jaa, aber was wäre denn meine Strafe gewesen, wenn ich sie machen müsste?“
„Jägermeister für mich und Wet- T-Shirt Wettbewerb für dich.“ Mir klappte die Kinnlade runter.
„Keine Sorge, meistens macht das nie ein Mädel alleine.“
„Und das soll mich jetzt beruhigen was?“ Ich lachte.
„Vielleicht.“ Er lächelte verschmitzt.
„Wie kams eigentlich, dass du mit Leuten rumhängst wie..“
„Wie Simon?“ beendete David meinen Satz. Ich nickte.
„Mein Vater hat mich, wie du sicher noch weißt, immer etwas dazu animiert Fußball zu spielen.“
„Animiert.“ Zischte ich. Gezwungen traf es dann doch wohl eher.
„Naja, auch wenn du es nicht glauben wirst, irgendwann war ich gut genug, dass ich in die Mannschaft aufgenommen wurde und die Jungs kennengelernt habe. Es war gar nicht so übel, sie nahmen mich auf alle Treffen mit und ich lernte viele neue Leute kennen und schließlich fing mir das Fußball spielen auch an, Spaß zu machen seitdem mein Vater nicht mehr alles darüber bestimmte.“
Ich lächelte, er wirkte insgesamt viel zufriedener als früher.
„Was macht dein Vater jetzt?“
„Er lebt in der Schweiz mit seiner neuen Freundin, die fast so alt wie wir.“
„In der Schweiz???“ fragte ich ein Ticken zu laut.
„Ja, er hat da eine neue Kanzlei. Ich war schon einmal drin. Die haben einen Springbrunnen im Foyer.“ Er grinste.
„Wow.“, sagte ich etwas überrascht.
„Was macht ihr hier?“ fragte jemand hinter uns.
Wir drehten uns um.
Na super. Simon.

Montag, 18. August 2014

Liebe, Autokorrektur und Broccoli

Hallihallo Ihr Lieben,

Ja, ich lebe noch.
Jaa, ich schreibe auch noch.
Jaaa, ich hatte Urlaub.
Aber nein ich war nicht weg, ich war nur faul ;)
Aber ich finde, dass darf man im Urlaub auch mal sein.
Ich wollte so viel schreiben. An der Kurzgeschichte, lustige Geschichten vom Festival und der ein oder andere Gedankenfloh, der mir in den Sinn kam und irgendwie hat mich das Leben vom Laptop abgelenkt. Eigentlich eine gute Sache ;)
Also ich bin wieder daa und komme auch gleich wieder zur Sache.
Ihr habt bestimmt die Überschrift gelesen und denkt: "Hä?"
Aber wer die Band Phrasenmäher kennt, der kennt auch vielleicht die Aussage, dass man in einem guten Album, die Themen Liebe, Autokorrektur und Brokkoli abgrasen sollte, um alle wichtigen Sachen im Leben abzudecken. Es war sehr lustig und ihre Texte sind sehr spitzig formuliert. Nett, wenn man mal etwas besseres vorhat, als ein 90- minütiges Fußballspiel ;)
Letzte Woche musste ich wieder an meine Freundin denken und daran, dass sie mal gesagt hat, dass sie immer einen bestimmten Song hört, wenn sie traurig ist, da dachte ich, ich präsentiere mal meine 5 liebsten Songs, wenn ich traurig bin oder mal einen schönen Song brauche.
Bald gibts auch wieder einen neuen Teil der Kurzgeschichte...
Bis dahin, lasst euch vom vielen Regen nicht nass werden und genießt die Urlaubszeit.
Denn Sommer fängt im Kopf an.

Eure Saphirblau

 
1. So cool bist du nicht - Madsen

 

2. Schlaflos - Jennifer Rostock

 

3. Meine Soldaten - Maxim

 

4. Superman - Tonbandgerät


5. How to save a life - The Fray (P.S. Ich hab Karten fürs Konzert *grins* Ich erzähl das so gern :D)
 
Wenn man länger drüber nachdenkt, fallen einen immer mehr Lieder ein, aber belassen wir es bei den 5 :)

Sonntag, 3. August 2014

Teil 6: Gegen Murphy



Hallihallo ihr Lieben,

Teil 6 meiner Kurzgeschichte, viel Spaß! 
Noch 3 Tage und es geht wieder aufs Festival. Die Vorfreude steigt! 

Liebe Grüße
eure Saphirblau

Ich stand vorm Spiegel und band mir die Haare hoch. Ich schaute mich an. Mein langes braunes Haar fiel jetzt als langer Zopf über meinen Rücken. Ich war noch nicht sicher, ob ich den Zopf so lassen sollte, aber wenn ich schon Turnschuhe anziehen soll, weil wir viel auf den Beinen sind, dann macht es nicht so viel Sinn sich eine aufwendige Frisur zu zaubern. Also ließ ich es so und umrandete meine blauen Augen nur noch mit Mascara und Kajal und machte zu meiner eigenen Überraschung noch einen Spritzer Parfüm an meine Haare, denn das Haar ist ein wahrer Duftträger. Hmm.
Wenn wollte ich eigentlich beeindrucken?
Ich ging einen Schritt vom Spiegel zurück und schaute mich an. Ich hatte mich für eine schwarze Jeans, Chucks, eine dunkelgrüne Tunikabluse, die bis über den Hintern ging und eine Jeansjacke, die taillier endete entschieden. Ich mochte mein Outfit. Ich war zufrieden mit mir. Dennoch wusste ich, dass ich mich selbst belog, wenn ich mir einredete, dass ich nur aus purer Lust und Laune mich etwas mehr geschminkt hatte und mir so viele Gedanken über mein Outfit gemacht habe. Aber an die Wahrheit zu denken, käme einem Tritt gegen meinen Stolz gleich, also belog ich mich weiter und sagte mir, dass ich es mir mal gönnen würde, etwas hübscher auszusehen.
Ich ging ins Wohnzimmer und setzte mich mit samt Tasche und Lederjacke auf die Couch neben meinen Vater. Er sah sich gerade einen Krimi an, der etwas älter war und wodurch die Schauspielkunst leider etwas grottig war. Die Uhr neben dem Fernseher zeigte 20:21 Uhr an und ich war schon fertig. Es wurde immer seltsamer.
„Naa Schatz, wann wirst du abgeholt?“, fragte mein Vater, während er etwas Eis löffelte. Mein Dad erinnerte mich an solchen Samstagabend immer an einen armen alten Witwer, der zu Hause ist und sich nicht an die reale Welt dort draußen traut.
„In 10 Minuten. Um halb neun.“ Sagte ich und betrachtete meine dunkelgrünen Fingernägel.
Zu meiner Verteidigung. Die Nägel hatte ich schon vorher. Ich hab sie nur berücksichtigt.
„Und du bist schon fertig?“, fragte mein Vater mit dem Löffel im Mund.
Ich strafte ihn wieder mit einem bösen Blick. Er schluckte erst das Eis runter, dann sprach er weiter.
„Du bist doch sonst nie so pünktlich und sag mal riech ich da Parfüm?“ fragte er nun misstrauisch.
„Oh Daaad.“ Sagte ich genervt und verdrehte die Augen. Mein Vater ist selten übervorsorglich. Meist ist er eher wie mein bester Kumpel, aber trotzdem hat er auch eine Vater- Ader.
„Nichts hier Oh Dad, jetzt bin ich neugierig was machst du heute genau?“, ich wurde rot. Wenn ich das mal selber so genau wüsste.
„Naja wir gehen mit meiner Klasse auf eine Feier.“, sagte ich vorsichtig. Schule, Dach, Alkohol, Mutproben. Alles keine Informationen, die man seinem Vater sagt. So viel zum Thema Kumpel.
„Aha. Und du geht’s mit diesem David da hin?“, sagte er immer noch misstrauisch.
„Ja, diesen David mochtest du damals sehr gerne.“, sagte ich während ich mich fragte, warum Frauen in Filmen immer in das Mordshaus gehen mussten. Ich meine, sowas ist einfach nur dumm.
„Jaa, da schien er aber auch noch nicht mein Mädchen ausführen zu wollen.“
„Daad. Er führt mich nicht aus. Wir sind nur Freunde.“ Ich dachte unweigerlich an Lena und David und versuchte das Wort Freunde in mir aufzunehmen. Ich musste daran denken, was er zu mir auf dem Dach gesagt hatte: Als ich 12 war und dich kennenlernte, war ich vielleicht ein bisschen verliebt in dich. Ich weiß, dass das nicht gelogen war. Aber was es heute bedeutete, wusste ich nicht.
„Okay, sprechen wir über das Thema lieber nach der Party. Wo findet die eigentlich statt?“, bohrte mein Vater nun weiter nach. Ich öffnete dem Mund, um mich rauszureden, doch da klingelte es an der Tür. Ich grinste. Gerettet.
„Entschuldige mich, aber ich schätze mal, das wird mein Taxi sein.“ Ich gab ihm einen Kuss auf die Wange, um ihm Tschüss zu sagen, aber er ließ es sich nicht nehmen mir bis an die Tür zu folgen. Ich seufzte, als ich die Tür öffnete, um gleich danach wieder den Mund zu schließen.
Hinter der Tür stand David mit frech gestylten Haaren, einem schwarzen eng anliegendem Hemd und einer dunkelblauen Jeans und er trug zu meiner Überraschung Chucks. Ich grinste. Während ich ihn so betrachtet, merkte ich, dass er das ebenfalls tat. Mein Vater hinter mir seufzte.
„Hallo David, lang lang ist´s her. Wie geht’s dir?“, brach mein Vater das Eis.
„Hallo Herr Winterberg. Sehr gut. Ich hoffe, ich störe sie nicht, ich wollte Danny abholen.“
„Danny?! Ja, nein. Du störst nicht. Ich war ja schon von Danny vorgewarnt worden.“, sagte er grinsend. Ich konnte an seinem Grinsen die Gedanken ablesen und wurde rot.
„Okay, obwohl ich die Momente peinlicher Elterngespräche auf gar keinen Fall missen will, würde ich jetzt sagen, dass wir losfahren oder?“ Ich sah David flehentlich an. Er grinste und nickte mir zu.
„Ja klar. War nett sie mal wieder zu sehen Herr Winterberg.“ Er gab meinem Dad die Hand. Vorbildlich.
„Ja, hat mich auch gefreut. Pass mir ja gut auf meine Danny auf.“ David nickte bloß, dann schloss er die Tür hinter uns ich störte hörbar auf.
„Nimm ihn nicht zu ernst, er ist eben ein Vater. Er nennt mich auch Danny.“ Ich schüttelte meinen Kopf.
„Kein Problem. Ich fand´s witzig, zu sehen, wie du dich windest.“ Er lachte und ich schaute ihn böse an. Ich haute ihm  auf die Schulter und er kniff mich lachend in die Seite. Er wusste ich bin da kitzelig.
„Blödmann.“, schimpfte ich noch unter einem Lachanfall, als jemand im Auto, was an der Straße stand, hupte. Oh, jetzt macht das WIR mehr Sinn. Auf dem Beifahrersitz saß Lena und Simon saß hinter ihr. Die beiden tuschelten aufgeregt. Lena sah durch die Scheibe zu mir raus und sah mich an. Böse an. Au weia. Ich glaube, mit ihr ist nicht gut Kirschen essen.
„Gehen wir.“, sagte David und ging vor. Ich ging mit Abstand hinter ihm. Das letzte war ein Zickenkrieg mit einer Abschlussballkönigin anzufangen. Ich steh nicht so auf Streit in der Schule.
Als wir das Auto erreichten, setzte ich mich nach hinten zu Simon und schnallte mich an. Im Augenwinkel sah ich noch, wie Lena David einen flüchtigen Kuss gab, dieser aber sich schnell abwandte und den Motor startete. Was sollte das? War es ihm peinlich vor mir zu knutschen? Wenn das so weiter geht, werde ich noch irre. Es kann ihm doch egal sein, was ich denke und mir kann es egal sein, mit wem er wann rummacht. Ich schaute aus dem Fenster.
„Naa Daniela, bereit für ein bisschen Spaß?“ fragte Simon grinsend. Ich roch seine Fahne bis hier. Alkohol war nicht gerade das Attraktivste, was man an sich haben kann.
„Klar, Spaß ist immer gut.“, sagte ich so Spaß bedeutet Ablenkung und die war immer willkommen.
Nachdem wir noch Steven und zu meiner Verwunderung auch noch Hanna abgeholt haben, die mir erzählte, dass sie von der Party erst heute erfahren hätte – von Steven – ging es ein Stück raus aus der Stadt. Zum Rande eines Wohngebietes, in einer kleinen Seitenstraße parkten wir unser Auto hinter ein paar anderen Autos.
„Ist hier ne Party?“, fragte Hanna aufgeregt. Wir waren irgendwo im nirgendwo.
„Nein, die eigentliche Party ist immer auf dem Dach der Schule, aber das Vorglühen, passiert bei uns auf eine andere Art.“, erklärte Steve Hanna und mir. Ich nickte.
Als wir aus dem Auto stiegen, holte David einen großen Karton aus dem Kofferraum.
„Könnte vielleicht einer..?“ und ich wollte schon losgehen, doch Lena legte mir eine Hand auf die Schulter und ging dann zu David. Gott, ich bin so blöd. Kann ich nicht einfach mal die Füße stillhalten.
Ich hielt mich an Hanna, die sich an Steven hielt und so gingen wir voraus.
Wir mussten noch knapp einen halben Kilometer zu Fuß gehen und ich war froh über meine Chucks, als wir an einem kleinen Wohnhaus ankamen, wo schon ein Viertel unseres Jahrganges sich versammelt hatte. Ich erkannte nur wenige Gesichter wieder. Aber sie erkannten anscheinend mich teilweise wieder. Vor allem waren viele verkleidet. Als Tiger oder einer ging als Cro, sie sahen aus wie eine große bunte Partymeute.
Ich sah Fiona wieder eine alte Freundin vom Tanzen und wir drückten uns kurz und erzählten miteinander, doch dann ging Simon mit David nach vorne und bat darum, dass die Menge zur Ruhe kommen sollte, vor ihm standen ein duzend der großen braunen Kartons, wovon David vorhin bereits einen getragen hatte.
„Alsoo heute ist es soweit, Herr Hoffmann ist im Urlaub mit seiner Mutter und ihr meine Freunde habt die große Ehre an meiner Hausverschönerung als Rache aller schlechter Noten, die ungerecht von ihm vergeben wurden, teilzuhaben. Manche von euch sind ja schon verkleidet, für euch anderen habe ich hier ein paar Masken, für den Fall das die Rentner in den Nachbarhäusern Brillen haben.“, er lachte kurz über seinen eigenen Witz und sprach dann weiter:
„Ich habe hier alles was das Herz begehrt: Eier, Sprühsahne und Klopapier. Sodass wir Herrn Hoffmanns Haus schon mal vor Weihnachten schön schmücken könne. Er kommt morgen aus dem Urlaub und da wollen wir ihm doch eine besonders schöne Heimkehr bescheren.“, schloss er.
„War Herr Hoffmann nicht der furchtbare Physiklehrer?“, fragte ich Steven in Gedanken.
Er nickte. „Ja, er ist ein Arschloch. Bei Prüfungen, bei Klausuren, ach eigentlich bei allen und er will einfach nicht in Rente gehen. Idiot.“ Steve schüttelt den Kopf.
„Ach ja und das Wort des Abend ist: Was.“, sprach Simon so laut und deutlich wie nur möglich.
„Was?“ fragten Hanna und ich unisono und mir schwante böses, als Simon grinste.
„David, wärst du so freundlich? Unsere neuen Klassenkameraden dürfen gleich eingeweiht werden.“
David kam auf uns zu und überreichte uns jeweils eine kleine Flasche.
 „Kleiner Feigling“ stand in Serifenschrift auf dem Etikett. Ich wusste sofort, was das bedeutete. Die Menge sagte im Einklang Trink und Hanna haute ihren Schluck weg. Ich stand da, die kleine Flasche in der Hand und fühlte mich hilflos.
„David… Ich kann das nicht trinken.“, sagte ich so leise und konnte ihn nicht ansehen. Ich starrte nur auf die Flasche. „Bitte, ich…“ mehr sagte ich nicht, ich begann zu zittern und David nahm mir die kleine Flasche aus der Hand.
„Simon, kann Danny nicht aussetzen? Sie ist krank fühlt sich nicht gut.“, versuchte David mir zu helfen. Er verstand sofort, warum ich das nicht trinken konnte und ich wäre im am liebsten um den Hals gefallen. Die Menge stellte das anfeuern ein.
„Regeln sind Regeln. Was?!“, sagte Tamara und haute sich ebenfalls einen Schluck runter. Ich schluckte ebenfalls. Meinen Kloß herunter.
„Tami hat recht. Wenn du hierbleiben willst, trinkst du das jetzt und sagst einfach nicht mehr das Wort des Abends und dich lassen alle in Ruhe.“, sagte Simon genervt.
Ich schluckte. Ich hatte einen Kloß so groß wie einen Tennisball in der Kehle.
„Aber, sie hat Gründe.“, versuchte David es erneut und sah Simon nun an.
„Was für Gründe?“ er schnappte sich einen Schluck und trank die kleine Flasche aus und warf sie in Herrn Hoffmanns Garten.
„Keine!“, sagte ich schnell und David sah mich wieder an. Ich nahm ihm die Flasche ab, schraubte den Deckel ab und würgte den Alkohol meine Kehle hinunter. Die Wahrheit wäre schlimmer als ein kleiner Schluck. David starrte mich an.
„Dann wäre das ja geklärt. Also auf geht’s Leute, schnappt euch eine Maske und ein paar Eier und los geht’s!“ Die Menge lief auf die Kartons los, doch David blieb bei mir stehen und schaute mich an.
„Alles okay?“, fragte er leise. Ich nickte und er nahm mir die kleine Flasche ab.
„Klar, was soll schon sein. Ist nur ne Party, das bringt mich schon nicht um.“ Ich versuchte mich an einem Lächeln.
„David?!“, rief Lena und er nickte mich noch einmal zu, bevor er zurück ging.
Hanna hakte sich bei mir ein und stellte keine Fragen. Davor liebte ich sie gerade. Sie schnappte sich zwei Masken mit jeweils einen Katzengesicht drauf. Meine Katze war schwarz weiß und Hannas war rot, sie erzählte mir von ihrem Kater Peter, der ebenfalls rot war und ich hörte ihr zu und beruhigte mich langsam.
Dann ging es los.
Feuer frei für das Eierwerfen. Es hat einen Heiden Spaß gemacht, obwohl mir bewusst war, dass es dafür riesen Ärger geben wird. Doch ich machte weiter lachte und beobachteten Sarah und Tamara wie sie den Briefkasten von Herrn Hoffmann komplett mit Sprühsahne aussprühten. Es war gemein, aber auch lustig. Ich fühlte mich viel besser, als schon länger nicht mehr.
„Daniela?“ Lena stand hinter mir. Ich drehte mich um und grinste sie an, während ich die Eierpampe von den Händen wischte.
„Ja, was gibt’s?“ Ich lächelte sie an. Ich war schon wieder viel besser drauf und dachte darüber nach, dass wir vielleicht Freunde werden könnten, schließlich würde ich sie nun öfters sehen, wenn sie mit David zusammen kommen würde. Sie war bestimmt ein netter Mensch.
„Ich wollte dich nur fragen…“ sie mied das Wort Was und hielt eine Hand hinter dem Rücken verschränkt. Ich versuchte nicht viel darüber nachzudenken. Sie lehnte sich zu mir herüber.
„Du bist in David verliebt.“, flüsterte sie in mein Ohr.
„WAS?“, ich starrte sie mit großen Augen an und ihr Arm schnellte nach vorne mit einem Feigling in der Hand. Ich starrte auf ihre Hand und dann in ihr Gesicht, wo sich ein fieses Grinsen eingenistet hatte. Das war Absicht gewesen. Das Bild einer Freundschaft zwischen uns verpuffte so schnell, wie es gekommen ist. Mein Lächeln verschwand und ich nahm ihr den Feigling ab und würgte auch diesen ohne Wimpernzucken meine Kehle herunter, diese Genugtuung wollte ich ihr nicht geben.
„Gut. Lektion gelernt. Hör zu, Winterberg. Ich lass dich in Ruhe, aber nimm die Finger von David. Ich liebe ihn und lass mir das von dir nicht kaputt machen, verstanden?“ Ich nickte bloß und sie ging wieder zu den anderen.
„Schlampe.“, hörte ich Hanna hinter mir sagen. Ich wirbelte herum und sah sie an.
„Ich spreche nur das aus, welches wir beide gerade denken.“ Sie kratzte sich am Kopf über ihre Grammatik ohne das Wort Was und ich grinste. Sie fragte nicht wegen David. Hanna gefiel mir immer besser. Ich hob meine Hand hoch für einen High- Five und sie klatschte ihre beschmierte Eier- Hand dagegen. Wir lachten und warfen die letzten Eier aus unserem Karton.
David kam zu uns herüber und mein Lachen verschwand. Er machte es auch nicht einfacher.
„Du wirfst wie ein Mädchen Danny.“, er grinste.
„Vielleicht weil ich eins bin, Bergmann.“, sagte ich möglichst unfreundlich. Sein Grinsen verschwand. Er sah kurz Hanna an und dann mich. Er wollte gerade fragen, was denn los war, da hörten wir die lauten Sirenen eines Polizeiwagens und dann ging alles ganz schnell.
David packte mich am Arm und riss mich laufend vorwärts. Ich drehe mich nochmals um, die anderen rannten ebenfalls alle in verschiedene Richtungen davon. Die Kartons waren alle leer und hingen nun an den Bäumen aufgespießt. Simon, Lena, Hanna und Steven liefen ebenfalls hinter uns her. Wir sprangen über Zäune und liefen durch Vorgärten bis wir endlich das Auto in der Seitenstraße erreichten. Ich atmete schwer, als wir dastanden und auf die anderen warteten. David hielt immer noch meine Hand und ich schüttelte sie ab, als hätte ich mich verbrannt. Ich brauchte wirklich keinen Ärger in der Schule.
„Was ist..?“, begann David, doch da kamen schon die anderen auf uns zu.
„Ha. Du hast Was gesagt!“ rief Hanna und schlug sich die Hand vor den Mund. Steven gab ihr grinsend einen Feigling. Sie seufzte tief.
„Ich bin Fahrer, ich kann so oft und so laut Was sagen wie ich will. Ich trinke heute keinen Alkohol.“
Er sah mich wieder an, doch ich ging zu Hanna und nahm ihr den Schluck ab.
„Hey, was soll das?“, fragte sie verwirrt.
„Was?“ sagte ich trotzig und würgte den Schluck hinunter. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich das Falsche tat, aber ich wollte nicht über David nachdenken oder Lena oder darüber, dass ich Gefahr laufe wieder in der Schule gemobbt zu werden. Steven gab Hanna einen neuen Feigling.
„Na gut. Wir fahren besser weiter zu Station 2, bevor uns die Polizei noch in diesem Aufzug erwischt.“, sagte David gedehnt und Lena ging auf ihn zu und nahm seine Hand.
Die Hand, die er eben noch nach mir gegriffen hatte.